#ausgelesen: Ellis Kaut – Nur ich sag ich zu mir

„Die dritte Art Einfall aber scheint mir die eigentliche: Sie wird aus tausend Kleinigkeiten des Lebens gespeist, aus Zufälligkeiten, aus einem Sammelsurium von Gefühltem, Gedachten, Erlebtem, Ersehntem; Bewusstem und Unbewusstem, aus etwas im Menschen, das Götter schafft. Und Teufel. Und Heilige. Und Gespenster. Und – Kobolde.”

Elis Kaut kennt wahrscheinlich jeder von uns. Zumindest jeder, der meiner Generation angehört. Und wahrscheinlich noch eine Generation davor. Und hoffentlich noch vielen Generationen nach mir.

Warum?

Weil Ellis Kaut großartige Geschichten erzählt und diesbezüglich großartige Figuren geschaffen hat. Auf eine davon wird sie wahrscheinlich bis an ihr Lebensende festgenagelt werden – und nach der Lektüre dieses Buches glaube ich, dass sie damit auch gar kein Problem hat: Die Rede ist natürlich vom kleinen Kobold „Pumuckl“.

Der ist allerdings nicht der Grund, warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, die Biographie der Autorin zu lesen. Viel mehr am Herzen liegt mir nämlich seit früher Kindheit eine weitere Kreation aus dem fantastischen Kaut’schen Fundus: Schlupp vom grünen Stern. Als der kleine Roboter vom Planeten Balda 7-Strich-3 zum ersten Mal das Licht der Bibliotheken erblickte – 1974 – war ich zugegebenermaßen noch nicht mal Suppe. 1986 und 1987 hingegen, als die Augsburger Puppenkiste sich Kauts literarischer Vorlage annahm und daraus zwei großartige, mehrteilige Geschichten fürs Fernsehen machte, war ich von Anfang an Feuer und Flamme.

Vielleicht kann man deswegen auch meine Enttäuschung verstehen, als ich beim Lesen der Biographie feststellte, dass „Schlupp“ im Buch keinerlei Erwähnung findet. Allerdings sei verteidigend gesagt, dass auch dem kleinen Kobold nur am Ende des Buches einige Seiten gewidmet wurden, bevor das Werk viel zu abrupt endet und einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt:

Zwar lernt man den Menschen Ellis Kaut kennen durch Berichte ihrer Jugend, die (teilweise viel zu harmlos dargestellte) Kriegszeit, wie sie ihren Mann kennen lernt etc. – das Ganze bleibt allerdings relativ unpersönlich und ohne Folgen. Auch das die Liebe ihres Lebens irgendwann stirbt, ist nur eine erwähnte Randnote ohne emotionale Konsequenz für den geneigten Leser. Große Teile ihres Lebens, insbesondere die erfolgreicheren und kreativeren, bleiben unerwähnt oder werden nur kurz zum Ende hin angeschnitten. So bleibt am Ende ein „Geschmäckle“ einer zwar durchaus gelungene Lektüre, der jedoch ein großer Teil „Leben“, ja, ein großer Teil „Buch“ fehlt.

  • „Nur ich sag ich zu mir“: Mein Leben mit und ohne Pumuckl
    von Ellis Kaut, erschienen im Verlag Langen-Müller im September 2009
    ISBN-10: 3784431941 // ISBN-13: 978-3784431949

#ausgelesen: Steve Alten – MEG

Wann immer ein Film in die Kinos kommt, der mich wirklich interessiert und der auf einer literarischen Vorlage basiert, versuche ich, das Buch zu lesen bevor ich mich der Flimmerkiste zuwende. Der Hai-Streifen MEG mit Jason Statham in der Hauptrolle ist solch ein Exemplar. Pünktlich zum Jahresabschluss habe ich es mir nicht nehmen lassen, diesen bereits im Sommer angefangenen Roman endlich auszulesen. Der weise Herr vom Bücherversand (Señor Amazon) fasst die Geschichte wie folgt zusammen:

Im Marianengraben südwestlich von Burma hat »Carcharodon megalodon« überlebt – MEG, ein Vorfahre des weißen Hais und eines der gefährlichsten Raubtiere, das je existierte. Der Herrscher der Meere, eine Killermaschine. Jonas Taylor, ein berühmter Tiefseeforscher, ahnt es. Auf einer Tauchstation in ozeanischen Tiefen stellt sich heraus, wie recht er hat. MEG gelingt es, in die oberen Wasserschichten aufzusteigen, wo der gigantische Hai fortan sein Unwesen treibt. Die Jagd beginnt – und dieses Mal ist der Mensch das Opfer … (Quelle: Amazon.de)

Geschrieben hat die Vorlage zum Film bereits 1997 ein gewisser Steven Alten, den ihr vielleicht von seiner „2012“-Trilogie kennen könntet … oder eben auch nicht, aber die Taschenbuch-Cover dieser Werke kommen mir durch Ausflüge in die Science-Fiction-Abteilung diverser Buchhandlungen durchaus bekannt vor. Wie er im Nachwort der Neuauflage von MEG erwähnt (das er wohl auch überarbeitet hat, um dem ganzen mehr Tiefe zu verleihen), sollte sein Werk bereits mehrfach verfilmt werden, bis es letztes Jahr mit dem Blockbuster endlich seinen Weg auf die große Leinwand fand.

Das Buch selbst ist nicht schlecht – zumindest für jemanden, der auf Tier-Horror (und hier insbesondere seit „Jaws“ auf schuppige Fischgeschichten) steht. Man darf allerdings auch kein Meisterwerk mit tiefgründigen Charakteren, die logische Entscheidungen treffen, erwarten. Jede der Hauptfiguren bleibt relativ blass und teilweise auch nicht nachvollziehbar dumm (Hauptcharakter wird von Frau betrogen und verlassen, ermöglicht ihr dann aber zum Dank?! einen Karriereschub), was aber vielleicht auch nicht die schlechteste Idee ist – immerhin wirkt der/die/das Megadolon daraufhin auch wesentlich intelligenter. Zu keinem Zeitpunkt kam beim Lesen wirklich „Angst“ auf (zum Vergleich: bei Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ kann man sich schon mal neben den Fingernägeln die Fingerkuppen abkauen), allerdings lässt sich das Werk gut lesen und vor allen Dingen auch öfters mal aus der Hand legen, ohne nach mehreren Tagen wieder einen schweren Einstieg zu finden.

Wieviel Buch-MEG in Film-MEG steckt, werde ich in Kürze herausfinden; der Film wartet nämlich bereits bei der Online-Videothek meiner Wahl (Videobuster dank monatlichen Gratistickets durch Handyvertrag, Danke o2!) auf den startenden Mausklick. Natürlich werde ich dann hier im Blog berichten, ob meine (in diesem Fall stark ausgeprägte) Erwartungshaltung ein weiteres Mal enttäuscht wurde oder „Deep Blue Sea“ (mein Lieblings-Hai-Popcornstreifen) nach all den Jahren endlich vom Thron gestoßen wird.