#31TageFleischlos – Bis(s) zur Halbzeit

5.5.2019
Keine Ahnung wie meine Frau das macht, aber rote Linsen als Hackfleisch-Ersatz funktionieren. (Okay… das wusste ich bereits vorher und auch die falsche Lasagne Bolognese ohne Bolognese mit Linsen steht bereits seit einigen Monaten auf meiner Speisekarte, aber mit Sätzen, die mit einem vegetarischen Zugeständnis beginnen, fängt man vielleicht die Leserschaft ein,  die sich ansonsten nicht auf diesen Blog verirrt hätte ;-))

6.5.2019
Skyr ist eine tolle Erfindung. Es gibt inzwischen alles mögliche aus Skyr. Sogar Mozarella. Der sieht auch fast so aus wie Mozarella. Schmeckt halt irgendwie nicht nach Mozarella. Hat auch nicht wirklich die Konsistenz von Mozarella. Und überhaupt gibt es ganz viel Skyr in tollen Joghurt-artigen Geschmacksrichtungen. Die sehen dann für einige Tage richtig gut aus im Kühlschrank, bis man sie nach Ablaufdatum irgendwann ungeöffnet weg schmeißt, weil man halt keinen Bock auf Skyr hat. Skyr ist eine tolle Erfindung.

7.5.2019
Früher habe ich einmal die Woche für einen Freund vegetarisch gekocht. In 99% der Fälle bestand das Essen dann aus geräuchertem Tofu mit Gemüse in irgendeiner fertigen Currysauce mit Reis. Heute gab es das Ganze ohne besagte Fertigsauce. Seitdem (der Autor schreibt diese Zeilen fünfzehn Tage später) habe ich irgendwie keine Lust mehr auf Tofu.

8.5.2019
Wer eine Frau hat, die kochen kann, der hat eine Frau, die kochen kann (logisch, oder?). Meine Frau kann kochen. Woran ich das fest mache? Ganz einfach: Wer es schafft, dass ein vegetarisches Langweiler-Mahl wie Couscous mit Gemüse (ohne irgendein zusätzliches vegetarisches Goodie wie Fake-Steak, Fake-Wurst oder Fake-Irgendwas) so gut schmeckt, dass ich mir zweimal Nachschlag hole, muss kochen können … also entweder das oder die fleischlose Zeit hat meinen Geschmackssinn inzwischen gekillt und ich halte Tierfutter inzwischen für bekömmlich…

9.5.2019
Habe ich eigentlich schon mal geschrieben, dass meine Frau eine begnadete Köchin ist? … Nein? … Veggie Hack aus roten Bohnen mit Walnüssen (!) im Wrap mit Sour Cream: Ich bin im Himmel!

10.5.2019
Das restliche Veggie-Hack vom Vortag mit Reis (also quasi als Chili Sin Carne) hat mich einen weiteren Tag totes Tier vergessen lassen.

11.5.2019
Da ich zusätzlich zur fleischlosen Zeit auch immer wieder meinen Kalorienverbrauch im Auge behalte und heute mein persönliches Kryptonit in den Magen wanderte (Streuselkuchen) bestand der restliche Tag aus Brotzeit mit diversen Aufstrichen, Frischkäse, Fake-Wurst und eingelegten Kalorienbomben.

12.5.2019
Im Gegensatz zu den Leuten die aus nicht nachvollziehbaren Gründen beschließen fortan vegan leben zu wollen, bin ich Gott sei Dank nicht darauf angewiesen Erde zu fressen. Der Pizza-Lieferant dankte es mir.. na ja, eigentlich nicht, aber den Euro fand er trotzdem dufte. Genauso wie ich die Teigscheibe mit Käse und Pommes (fragt nicht! 😉)

13.5.2019
Ein großer amerikanischer Systemgastronom (der mit den kleineren Burgern, die eigentlich auch wesentlich schlechter schmecken) hat neuerdings einen rein veganen Burger im Programm. Nicht alles was vegan ist muss auch zwangsläufig nach Müll schmecken. Stimmt in dem Fall sogar. Allerdings ist das auch nicht mal ansatzweise ein Ersatz für einen „richtigen“ Burger … oder die vegetarische Variante, die zu Gunsten dieses neuen Modetrends aus dem Sortiment geflogen ist. Aber: Netter Versuch.

14.5.2019
Wenn der Chef Mittagessen gehen will, geht man mit dem Chef Mittag essen. Und wenn der Chef einen richtigen-saftigen, vor Fleisch geradezu triefenden Pulled Pork Burger in der (wirklich fantastischen lokalen) Burgeria isst, gönnt man sich selbst halt einen vegetarischen Burger und hofft auf das Beste. In diesem Fall hat die Hoffnung Früchte getragen .. oder eher Gemüse? Der Frikadellen-Ersatz aus schwarzen Bohnen und die grandiose Sauce haben mich ein weiteres Mal meinen eigentlich unstillbaren Hunger nach totem Tier vergessen lassen. Danke, Little Beach!

15.5.2019
Eine Ode an die fertigen Gemüsebällchen aus dem Discountermarkt zu schreiben, wäre natürlich eine Herausforderung. Da ich allerdings noch nie ein Wettkampf-Typ war, möchte ich stattdessen ein kleines Loblied auf die weiße Version der „Lion“-Schokoriegel der Firma Nestlé singen. Gerade als ich den Mund öffne und mit meiner Engelsstimme die Preisung beginnen möchte, kommt ein versiffter linksgrüner Demonstrant, drückt mir seine ungewaschene Hippie-Hand auf den Mund und schwadroniert irgendwas von wegen „böser Großkonzern„, „selbstverständlicher Boykott“ und „nimmt den armen afroamerikanischen Kindern das Wasser weg„. Ich wedele mit einem Stöckchen und schmeiße es in den Main – er wedelt mit seinem Schwanz und springt hinterher. Ich wache auf, reibe mir die Augen und esse die Reste von meinem Schokoriegel. Echt lecker!

#31TageFleischlos – Die ersten Tage

Den ganzen Mai ohne totes Tier? ….  Warum das denn? Schmeckt doch so gut! 

1.5.19
Spinat, Kartoffeln, Rührei – wer sich bei dieser Kombination in seine Kindheit zurückversetzt fühlt, dem geht es wie mir. Allerdings gab es zu meiner Zeit niemals Blattspinat ohne den „Blupp“ (und wenn ich es mir genau überlege, wahrscheinlich auch niemals ohne die bekannte Marke … und da wundere ich mich noch, warum Werbung bei mir wirkt!), doch von der bekannten Rahmpampe soll in der Gegenwart nichts mehr auf meinem Teller landen. Irgendwann habe ich mich in meiner Jugend so daran satt gegessen, dass ich auch heute noch Captain Iglo und Verona Feldbusch in einem selbstgedrehten Remake von „Der Exorzist“ mit einem frischen Strahl aus meinem Mund daraus bedecken würde, sollte man mich zwingen, die „Blupp“-Variante des Spinats nochmals zu inhalieren.

2.5.19
Ich habe einmal gelesen, dass die Rügenwalder Mühle zwischenzeitlich ein Top Player in Sachen Veggie-Food ist, da sie früh genug in den Markt eingestiegen sind. Ihr wisst schon: Damals, als beispielsweise das Wort „vegan“ noch so unbekannt war, dass man es für ein Schimpfwort hielt (also im Gegensatz zu heute, wo man weiß, dass es das eigentlich ist). Das von Stiftung Warentest 2016 getestete und für „mangelhaft“ bewertete vegetarische Schnitzel wanderte auf jeden Fall am zweiten Veggietag in meinen Magen. Ich war positiv überrascht, dass der Geschmack wirklich an ein echtes Schnitzel erinnert und auch die Konsistenz nicht sonderlich unangenehm ist. Gemeinsam mit ebenfalls am Abend vorher vorgekochtem Reis und Gemüse (Frosta Fertigpfanne, man gönnt sich ja sonst nichts) war das ein wirklich sättigendes Mittagessen.

Abends verwöhnte meine schlechtere Hälfte mich mit Spinat-Fetakäse-Blätterteigtaschen, die auf der einen Seite dafür sorgten, dass mir Fleisch von Anfang an nicht fehlte, der auf der anderen Seite allerdings meinen Kalorienhaushalt zerschoss wie [ …hier x-beliebigen USA-Highschool-Attentäter des Monats einsetzen und mit einer geschmacklose Erwähnung von Mitschülern und/oder Lehrern abschließen… ].

3.5.19
Die Reste vom gestrigen Abendessen zogen sich dank Überangebot noch auf das Frühstück und das Mittagessen. Danach noch übrig gebliebenes wanderte zu Gunsten eines frischen Tomaten-Mozarella-Salats am Abend in den „Mein Gott, die dritte Welt könnte davon eine Woche lang leben„-Behälter in die Küche..

4.5.19
Wer braucht ein gesundes Abendessen, wenn Mutter nach Ihrem Bodensee-Urlaub auf dem Rückweg kurz zu Besuch kommt, um ihren Enkelsohn zu sehen (nur wegen Ihrem Sohn würde Sie die kurze Strecke vermutlich bereits seit Ewigkeiten nicht mehr zurücklegen) und dabei aus Einback-/Eierweck-Teig bestehende „Mäusschen“ von einem wirklich grandiosen Bäcker aus Langenargen mitbringt? Und wenn wir gerade bei Backwaren sind, die Figuren-Form erhalten um aus irgendeinem Grund ansprechender zu sein: Liebe Bäcker, warum zum Teufel eigentlich immer Rosinen als Augen? Ich bin bisher nicht einer Person begegnet, die mit „Wow! Geil! Rosinen!“ reagiert hätte…

Entdeckung des Tages: Peperoni-Mix gefüllt mit Frischkäsecreme von der „ja!“-Discountermarke aus dem Anti-Discounter-Apothekenpreis-Supermarkt rewe.

 

#31TageFleischlos – Tag 1

Ich liebe Fleisch. Und wenn ich so etwas schreibe, dann meine ich: Ich LIEBE Fleisch! Den Hamburger Royal mit Käse hat der liebe Gott gemacht, den Döner sein türkischer Bruder und Hühner wurden eigentlich nicht erfunden um Eier zu legen, sondern um in Filetstücken direkt in meinen Mund zu wandern.

Morgens, Mittags, Abends… egal ob aufs Brot (Aufschnitt) oder in jedweder Form auf den Teller – Fleisch ist ein fester Bestandteil von nahezu jeder Mahlzeit von mir. Zu Beginn des Tages ein paar Scheiben Salami auf die Stulle, in der Mittagspause vielleicht bei McDonalds zwei Royal inhaliert und Abends nochmal Hühnchen zum Reis: Bei mir leider keine Seltenheit (und, nein: Wir werden wegen bzw. während dieser Aktion (noch) nicht über mein Gewicht reden…)

Laut Verbraucherzentrale ist die Empfehlung der Ernährungswissenschafter: Nicht täglich Fleisch und nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche.

Na toll. Damit hätte ich meine Tagesdosis totes Tier bereits in einem Tag abgefrühstückt…

Verständlich, dass mir irgendwann der Gedanke kam: „So kann das nicht weiter gehen“ und „Das kann nicht gesund sein“. In Anbetracht der Tatsache, dass ich inzwischen nicht mehr alleine für mich verantwortlich bin, sondern der Ernährer meiner eigenen kleinen Familie (und als Angstpatient nur in absoluten Notfällen freiwillig jemanden sehe, denn ich mit „Herr oder Frau Doktor“ anspreche) muss jetzt mal ein radikaler Schritt angegangen werden: Den ganzen Mai über kein Fleisch. Niente. Nada. Radikalentzug sozusagen. Ich gehe cold turkey! (Hmmm…. Truthahn! 😉 )

Es muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass ich bereits seit Anfang des Jahres mit fleischlosen Tagen herumexperimentiert habe: 6 Tage im Januar, 10 Tage im Februar und 5 Tage im März kam ich bereits komplett ohne Wurst, Hühnchen etc. durch die Tage. Und ja, mir ist bewusst, dass man sich auch durchaus ganz einfach total falsch ohne Fleisch ernähren kann, doch das ist für diese Challenge nicht Sinn der Sache: Mehr Obst, mehr Gemüse (im Idealfall zu oder nach jeder Mahlzeit) ist die Devise, dessen Realisierung mir hoffentlich diesen Monat gelingen wird.

Auch sollte ich vielleicht vorher noch erwähnen, dass ich dies wirklich aus rein egoistischen Gründen – also nicht aufgrund irgendwelchen PETA-Facebook-Posting-Spinnereien oder Weltverbesserer-Schwachsinn – mache, sondern schlicht und einfach wegen meiner Gesundheit … und weil mich wirklich interessiert, ob und wie ich diese Herausforderung meistern werde. Also, ihr Tomaten, ihr Gurken, ihr Tofu..äh..dinger und alles, was normalerweise allerhöchstens als geschmacklose Beilage auf meinem Teller durchgeht: Macht ihr euch bereit! Ich werde euch jagen – und ich werde erst Ruhe geben, wenn alle von euch in meinem Magen verarbeitet werden! 😀

Wenn euch das Thema anspricht, würde es mich freuen, wenn ihr in den nächsten Tagen regelmäßig hier im Blog vorbei schaut und mir vielleicht in den Kommentaren den ein oder anderen Tipp geben könntet, wie ich am besten durch den Monat komme. Ich werde versuchen so oft wie möglich zum virtuellen Stift zu greifen und meine Gedanken und Erfahrungen aufzuschreiben.

 

#ausgelesen?

Lesen ist gut. Ich hab irgendwann aber festgestellt, dass Internetfernsehenvideospielmedienundwasunssonstsinnlichzubombt meine Konzentration langsam zersetzt. So komisch es klingt, man kann lesen verlernen.

Recht hat er, mein hier zitierter Podcast-Sidekick, der Andrè Sven Jürgen. Also …. wahrscheinlich.

Ob man das Lesen an und für sich wirklich verlernen kann, weiß ich zwar nicht, aber „mehr lesen“ kann eigentlich nur positive Auswirkungen haben. Und als Freund von nicht unmöglichen Herausforderungen meldete ich mich Anfang des Jahres ebenfalls zur „Reading Challenge“ an, wonach ich 2019 mindestens 25 Bücher lesen werde.

Wie das momentan läuft?

Na ja, das lest ihr (in-)direkt hier im Blog. Bis auf die Pumuck-Lady (siehe „#ausgelesen: Ellis Kaut – Nur ich sag ich zu mir“ hier im Blog) ist dieses Jahr bis dato noch kein ganzes Buch durch die Windungen meines Gehirns gewandert. Dafür habe ich umso mehr Werke angefangen – und mit einigen davon hadere ich wirklich….

Ready? 

Zum einen ist das „Ready Player One“ von Ernest Cline: Bekannt als eines der Jugendbuch-Hypes der letzten Jahre und nicht zuletzt wegen der Blockbuster-Hollywoodverfilmung noch jetzt in aller Munde. Zugegeben: Das Buch ist nicht schlecht geschrieben und garantiert alles andere unspannend, jedoch stelle ich irgendwie fest, dass ich mit Nervenkitzel – insbesondere in schriftlicher Form – zur Zeit wenig anfangen kann. Das könnte und/oder wird der Grund sein, weswegen ich einfach keine Muse mehr finde, mich wieder der Story zu widmen. Der Bequemlichkeit halber bin ich bei „Ready Player One“ bereits vom gekauften Taschenbuch auf die eBook-Variante umgestiegen (lässt sich einfach bequemer auf Klo und insbesondere via Kindle-Beleuchtung im Bett lesen) – trotzdem stehen die Zeichen hier momentan auf „Pause“ – oder anders ausgedrückt: Player One ist zwar noch nicht „Game Over“, widmet sich aber voerest ein anderen Spiele-Cartridge.

Gähnende Elektroautos

Ein weiteres angefangenes Buch ist die von Ashlee Vance geschriebene Quasi-Biographie von Elon Musk „Wie Elon Musk die Welt veränderte“. Der so genannte „SPIEGEL Bestseller“ wäre wohl niemals auf mein Kindle oder gar in meinen Bücherschrank gewandert, hätte ich ihn vor einigen Jahren nicht kostenlos im Rahmen irgendeiner Aktion erhalten. Und aus irgendeiner Laune heraus beschloss ich Anfang des Jahres, dass dies mein erstes Sachbuch 2019 werden sollte.

Das Problem daran: Ich nutze gerne Technik, interessiere mich aber eigentlich nicht wirklich dafür. Ich fahre notgedrungen mit dem Auto, finde Autos selbst aber stinklangweilig. Ich liebe Science-Fiction, aber ob da gerade jemand eine Rakete baut oder den Mond ernsthaft kolonisieren will, geht mir – gelinde gesagt – am Allerwertesten vorbei. All diese Punkte jedoch zeichnen den Werdegang eines Elon Musk aus – und je detaillierter die Biografie dem hingehend wird, desto weniger Lust bekomme ich das Buch weiter zu lesen. To be continued? Wir werden sehen.

Lichtblicke

Wie einen fettigen Burger mit Käse und Bacon verschlinge ich gerade „Tough Sh*t: Ein Fettsack mischt Hollywood auf!“ von Film-Genie und Podcast-Gott Kevin Smith. Außerdem lese ich bereits zum zweiten Mal das wirklich extrem empfehlenswerte „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann. Das zeigt mir: Lesen macht Spaß – und wir alle sollten regelmäßig zum Buch, anstatt zur TV-Berieselung greifen – wenn es nur nicht so bequem wäre… 😉

#märzlos

Ein Blog, der sah sich um und dachte:
„Im März kam gar kein Beitrag hier.“
Der Autor, peinlich berührt; er lachte,
und wartete auf Monat vier.

Dann haute er in seine Tasten, erfand ’nen kurzen Zwei-Absatz-Reim,
jetzt konnte mans ihm nicht anlasten; im Endeffekt interessiert kein Schwein.

#ausgelesen: Ellis Kaut – Nur ich sag ich zu mir

„Die dritte Art Einfall aber scheint mir die eigentliche: Sie wird aus tausend Kleinigkeiten des Lebens gespeist, aus Zufälligkeiten, aus einem Sammelsurium von Gefühltem, Gedachten, Erlebtem, Ersehntem; Bewusstem und Unbewusstem, aus etwas im Menschen, das Götter schafft. Und Teufel. Und Heilige. Und Gespenster. Und – Kobolde.”

Elis Kaut kennt wahrscheinlich jeder von uns. Zumindest jeder, der meiner Generation angehört. Und wahrscheinlich noch eine Generation davor. Und hoffentlich noch vielen Generationen nach mir.

Warum?

Weil Ellis Kaut großartige Geschichten erzählt und diesbezüglich großartige Figuren geschaffen hat. Auf eine davon wird sie wahrscheinlich bis an ihr Lebensende festgenagelt werden – und nach der Lektüre dieses Buches glaube ich, dass sie damit auch gar kein Problem hat: Die Rede ist natürlich vom kleinen Kobold „Pumuckl“.

Der ist allerdings nicht der Grund, warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, die Biographie der Autorin zu lesen. Viel mehr am Herzen liegt mir nämlich seit früher Kindheit eine weitere Kreation aus dem fantastischen Kaut’schen Fundus: Schlupp vom grünen Stern. Als der kleine Roboter vom Planeten Balda 7-Strich-3 zum ersten Mal das Licht der Bibliotheken erblickte – 1974 – war ich zugegebenermaßen noch nicht mal Suppe. 1986 und 1987 hingegen, als die Augsburger Puppenkiste sich Kauts literarischer Vorlage annahm und daraus zwei großartige, mehrteilige Geschichten fürs Fernsehen machte, war ich von Anfang an Feuer und Flamme.

Vielleicht kann man deswegen auch meine Enttäuschung verstehen, als ich beim Lesen der Biographie feststellte, dass „Schlupp“ im Buch keinerlei Erwähnung findet. Allerdings sei verteidigend gesagt, dass auch dem kleinen Kobold nur am Ende des Buches einige Seiten gewidmet wurden, bevor das Werk viel zu abrupt endet und einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt:

Zwar lernt man den Menschen Ellis Kaut kennen durch Berichte ihrer Jugend, die (teilweise viel zu harmlos dargestellte) Kriegszeit, wie sie ihren Mann kennen lernt etc. – das Ganze bleibt allerdings relativ unpersönlich und ohne Folgen. Auch das die Liebe ihres Lebens irgendwann stirbt, ist nur eine erwähnte Randnote ohne emotionale Konsequenz für den geneigten Leser. Große Teile ihres Lebens, insbesondere die erfolgreicheren und kreativeren, bleiben unerwähnt oder werden nur kurz zum Ende hin angeschnitten. So bleibt am Ende ein „Geschmäckle“ einer zwar durchaus gelungene Lektüre, der jedoch ein großer Teil „Leben“, ja, ein großer Teil „Buch“ fehlt.

  • „Nur ich sag ich zu mir“: Mein Leben mit und ohne Pumuckl
    von Ellis Kaut, erschienen im Verlag Langen-Müller im September 2009
    ISBN-10: 3784431941 // ISBN-13: 978-3784431949

#ausgeknockt: Weniger WWE, trotzdem mehr #wrestlingliebe 2019

Für diejenigen unter euch, die beim Begriff „Wrestling“ zuerst den Spruch „Aber du weißt schon, dass das alles abgesprochen und fake ist?“ auf den Lippen haben, sei eingeleitet gefragt: Wenn ihr Game of Thrones schaut, bemerkt ihr auch gleich „Die Drachen sind computeranimiert“?  Bei House of Cards denkt ihr sofort „Aber Kevin Spacey ist doch gar nicht der Präsident der USA – der spielt das nur“? Und wenn ihr im Kino seid, folgt ihr niemals der Story, sondern habt immer im Hinterkopf, dass das nur Schauspieler sind, die jemanden für euch darstellen? … Ja? … Dann herzliches Beileid! 😉 Soviel dazu.

In Sachen Professional Wrestling hatte ich 2017 New Japan Pro Wrestling für mich entdeckt und ganze zwölf Monate sehr intensiv verfolgt. Bedingt durch Umzug, Geburt meines Sohnes und Jobwechsel sind dann im letzten Jahr einige meiner Hobbies zu kurz gekommen: Wrestling war ein Teil davon. Und auch wenn sie das wesentlich schlechtere Produkt bieten, habe ich aus Gewohnheit 2018 fast ausschließlich die WWE verfolgt.

Mit Vince McMahons Sports Entertainment Liga ist es für mich so etwas wie eine ewige Hassliebe. Konträr zu ihrem Wert an der Börse sank für mich die Qualität der Liga in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren immer weiter ins bodenlose – und doch schaute ich immer wieder, Jahr für Jahr, Monat für Monat, Woche für Woche, ins laufende Programm und regte mich tierisch über grottiges Booking, grauenhaftes Matchmaking und langweilige Shows auf. Warum? Gute Frage. Vielleicht weil man jedes Mal aufs Neue hofft, dass das Programm wieder besser wird. Dieses Jahr allerdings gebe ich auf!

Im laufenden neuen Jahr habe ich beschlossen,das wöchentliche TV-Programm der Liga links liegen zu lassen und voerst nur noch die Großveranstaltungen der WWE zu verfolgen. Es ist eindeutig an der Zeit dem berühmt berüchtigten „Tellerrand“ wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Ganz viel #wrestlingliebe bekommen 2019 demnach wieder New Japan Pro Wrestling, die mit Wrestling Kingdom 13 (dem alljährlichen japanischen Pendant zur amerikanischen „Wrestlemania“) am 4. Januar bereits einen (für mich persönlich eher enttäuschenden, da leider dank vieler Abgänge sehr vorhersehbaren) Start ins neue Jahr hinlegten, aber auch das seit Ewigkeiten verschmähte und inzwischen in Kanada angesiedelte iMPACT Wrestling, deren Shows Unkenrufen und inzwischen stark dezimierten Kader zum trotz überraschend unterhaltsam sind. Außerdem gilt es für mich noch einige Folgen Lucha Underground aufzuholen (meiner Meinung nach übrigens *DIE* Show mit der man sogar alle Nicht-Wrestlingfans begeistern kann), der US-Indieliga Ring of Honor eine weitere Chance zu geben und mit Spannung in Richtung „All Elite Wrestling“ zu schauen, die dieses Jahr erstmalig ihren Betrieb aufnehmen wird.

#ausgehört: Ivar Leon Menger – MONSTER 1983

Was mit Steven Spielbergs „Super 8“ im Filmbereich begann und mit „Stranger Things“ von Netflix zwischenzeitlich seinen Höhepunkt erreichte, zog im letzten Jahr auch in die deutsche Hörspiellandschaft ein: Die 80’er Jahre – und die passen bekanntlich mit dem Mystery-Genre so gut zusammen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Drei „Staffeln“ a‘ 10 Teile umfasst das epische -von Audible als exklusive Eigenproduktion geschaffene- Hörspiel „Monster 1983“. In Sachen Synchronsprecher-Cast sucht es wohl seinesgleichen, denn mit David Nathan, Nana Spier, Simon Jäger, Till Hagen & Co. hat man die Crème de la Crème der deutschen Stimmen versammeln können. Doch auch die Autoren sind beileibe keine Unbekannten, allen voran natürlich der Namens-gebende Ivar Leon Menger, der mir bereits mit der Hörspiel-Reihe „Darkside Park“ bestens in Erinnerung geblieben ist (und dessen „Porterville“-Reihe dieses Jahr ebenfalls auf meiner To-Do-Liste steht).

Pünktlich zum Jahresabschluss habe ich am 31.12 letzten Jahres meinen mehrstündigen Audio-Ausflug nach Harmony Bay beenden können. Also: Worum geht es in Monster 1983 eigentlich? Die Zusammenfassungs-Profis vom  amazon’ischen Warenhaus fassen die Hauptgeschichte (der ersten Staffel) in folgende Worte:

Oregon, Sommer 1983 – eine Serie mysteriöser Todesfälle rüttelt das Küstenstädtchen Harmony Bay aus seinem friedlichen Schlaf.
Sheriff Cody, den es nach dem Tod seiner Frau dorthin verschlagen hat, wird bereits kurz nach seiner Ankunft zur Pflicht gerufen, denn es geschehen merkwürdige Dinge: Ein Gefangenentransport zerschellt an einer Klippe, ein russischer Spion ist wie vom Erdboden verschluckt und es tauchen immer mehr Leichen auf, die merkwürdige Einstiche im Rücken aufweisen.

Cody und sein Team gehen davon aus, dass die Morde von einem Serienkiller begangen werden, der seine Opfer bestialisch im Schlaf ermordet. Doch wer steckt wirklich dahinter? Welches Geheimnis verbirgt der Bürgermeister? Was führen die Regierungsbeamten im Schilde? Und wohin ist eigentlich Sheriff Codys Vorgänger verschwunden?

Bald wird klar: Hinter der idyllischen Fassade des kleinen Küstenörtchens lauert etwas Unheimliches. Dunkle Geheimnisse bahnen sich bedrohlich ihren Weg ans Tageslicht. Und das monströse Treiben, das die verträumte Stadt heimsucht, wird schließlich auch zu Sheriff Codys schlimmsten Albtraum.

Um es noch kürzer auszudrücken: Es geht um den Nachmahr,  ein Fantasie- und Sagenwesen, dass – ähnlich wie die 1980’er Thematik an sich – in den letzten Jahren im Horrorfilm-Genre ein Revival erlebte. Und falls ihr euch jetzt die Frage stellen solltet, ob solch eine Figur eine ganze Hörspielserie mit einer Laufzeit von über 30 Stunden innerhalb von drei Staffeln tragen kann, ist meine Antwort ganz eindeutig „JA“ – wenn auch unter Vorbehalt: Zwar handeln alle Protagonisten nicht immer nachvollziehbar und teilweise wird die Klischeekeule nicht nur geschwungen, sondern gefühlt ohne Rücksicht auf Sinn und Versand mit Karacho in die Gehörgänge geprügelt, jedoch ist die Geschichte am Ende relativ schlüssig und wird befriedigend aufgelöst.

Fazit: „Monster 1983“ ist ein tolles Hörspiel, dass jedem Gruselfan ans Herz gelegt werden kann. Wer allerdings wirklichen Hörspiel-Horror in Perfektion erleben möchte, sollte sich lieber „Darkside Park“ vom gleichen Autor anhören.

Info: Die kompletten Staffeln von „Monster 1983“ gibt es bei Audible. Leider gilt das in Gänze nicht mehr für die restlichen Produktionen von Ivar, denn derzeit ist bspw. Porterville nicht mehr im virtuellen Sortiment aufzufinden (dafür jedoch bei zahlreichen Streaming-Anbietern wie Tidal). 

 

#ausgelesen: Steve Alten – MEG

Wann immer ein Film in die Kinos kommt, der mich wirklich interessiert und der auf einer literarischen Vorlage basiert, versuche ich, das Buch zu lesen bevor ich mich der Flimmerkiste zuwende. Der Hai-Streifen MEG mit Jason Statham in der Hauptrolle ist solch ein Exemplar. Pünktlich zum Jahresabschluss habe ich es mir nicht nehmen lassen, diesen bereits im Sommer angefangenen Roman endlich auszulesen. Der weise Herr vom Bücherversand (Señor Amazon) fasst die Geschichte wie folgt zusammen:

Im Marianengraben südwestlich von Burma hat »Carcharodon megalodon« überlebt – MEG, ein Vorfahre des weißen Hais und eines der gefährlichsten Raubtiere, das je existierte. Der Herrscher der Meere, eine Killermaschine. Jonas Taylor, ein berühmter Tiefseeforscher, ahnt es. Auf einer Tauchstation in ozeanischen Tiefen stellt sich heraus, wie recht er hat. MEG gelingt es, in die oberen Wasserschichten aufzusteigen, wo der gigantische Hai fortan sein Unwesen treibt. Die Jagd beginnt – und dieses Mal ist der Mensch das Opfer … (Quelle: Amazon.de)

Geschrieben hat die Vorlage zum Film bereits 1997 ein gewisser Steven Alten, den ihr vielleicht von seiner „2012“-Trilogie kennen könntet … oder eben auch nicht, aber die Taschenbuch-Cover dieser Werke kommen mir durch Ausflüge in die Science-Fiction-Abteilung diverser Buchhandlungen durchaus bekannt vor. Wie er im Nachwort der Neuauflage von MEG erwähnt (das er wohl auch überarbeitet hat, um dem ganzen mehr Tiefe zu verleihen), sollte sein Werk bereits mehrfach verfilmt werden, bis es letztes Jahr mit dem Blockbuster endlich seinen Weg auf die große Leinwand fand.

Das Buch selbst ist nicht schlecht – zumindest für jemanden, der auf Tier-Horror (und hier insbesondere seit „Jaws“ auf schuppige Fischgeschichten) steht. Man darf allerdings auch kein Meisterwerk mit tiefgründigen Charakteren, die logische Entscheidungen treffen, erwarten. Jede der Hauptfiguren bleibt relativ blass und teilweise auch nicht nachvollziehbar dumm (Hauptcharakter wird von Frau betrogen und verlassen, ermöglicht ihr dann aber zum Dank?! einen Karriereschub), was aber vielleicht auch nicht die schlechteste Idee ist – immerhin wirkt der/die/das Megadolon daraufhin auch wesentlich intelligenter. Zu keinem Zeitpunkt kam beim Lesen wirklich „Angst“ auf (zum Vergleich: bei Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ kann man sich schon mal neben den Fingernägeln die Fingerkuppen abkauen), allerdings lässt sich das Werk gut lesen und vor allen Dingen auch öfters mal aus der Hand legen, ohne nach mehreren Tagen wieder einen schweren Einstieg zu finden.

Wieviel Buch-MEG in Film-MEG steckt, werde ich in Kürze herausfinden; der Film wartet nämlich bereits bei der Online-Videothek meiner Wahl (Videobuster dank monatlichen Gratistickets durch Handyvertrag, Danke o2!) auf den startenden Mausklick. Natürlich werde ich dann hier im Blog berichten, ob meine (in diesem Fall stark ausgeprägte) Erwartungshaltung ein weiteres Mal enttäuscht wurde oder „Deep Blue Sea“ (mein Lieblings-Hai-Popcornstreifen) nach all den Jahren endlich vom Thron gestoßen wird.